2 Gallatheas weiße Haut

2.1


Die Adresse, die ihm Kelling auf eins der rotgeränderten Chef-Memos geschrieben hatte, lag ein ganzes Stück außerhalb. Der Weg dorthin war zu weit, um es mit dem Fahrrad zu versuchen, und das Villenviertel zu abgelegen, um mit dem Bus zu fahren. Er musste sich einen Wagen leihen. Dafür kamen nur zwei Menschen in Frage; Anne, die ihm zwar noch ihren Käfer, aber nicht mehr ihren Körper überließ; und Peter, der, aus dem schlechten Gewissen heraus, allzu viel Geld zu verdienen, ihm mehr oder weniger alles geben würde, was er besaß. Leihweise, verstand sich.

Harry Mann nahm am Nolli den 19er Bus, schaukelte im Oberdeck den Ku’damm hinunter und stieg am Olivaer Platz aus.

Peter Talmer residierte nahe der Leibnizstraße und nicht weit von Marios Ristorante in einem protzigen Dachdomizil, das sich über die gesamte Grundfläche des Gebäudekomplexes erstreckte und seinen Eigentümer zum einsamen Herrscher über siebenhundertfünfzig Quadratmeter bester Citylage machte. Den dazugehörigen pechschwarzen 500er Mercedes sah Mann schon von weitem vor dem Haus parken, halb auf dem Bürgersteig, die aggressive Blechschnauze einen knappen Meter vor der frisch gestrichenen Altbauflügeltür. Durch sie gelangte Mann, nachdem er seinen Namen in die defekte Gegensprechanlage gebrüllt und Peter den Summer betätigt hatte, in die restaurierte Pracht des marmorverkleideten Aufgangs und zu dem unsichersten aller Berliner Fahrstühle, einem mit gusseisernen Jugendstilgirlanden vergitterten Drei-Personen-Käfig, der seine Fracht mit Hilfe eines absurden Gewindes an öligen alten Seilen ächzend und ätzend langsam hoch in den fünften Stock hievte.