2.2

Gallathea Kelling ging ein paar Schritte voraus. Sie war eher klein, um die einssechzig, und balancierte leicht schwankend auf extrem teuren und extrem hochhackigen Schuhen. Ihren straffen, durchtrainierten Körper hatte sie in einen signalroten Rock von unglaublicher Enge gezaubert.

Mann folgte ihr und bewunderte die üppige Rückseite seiner Gastgeberin. Sie hatte einen kräftigen Hintern, und der Rücken darüber war bis auf zwei Muttermale und einen millimeterdünnen Faden, der die dürftige Bedeckung der Vorderseite in Schwebe hielt, vom Nacken bis zum tiefen Ansatz des Rockes nackt.

Als hätte sie seinen Blick auf ihrer Haut gespürt, drehte sie sich zu ihm um und wartete, bis er neben ihr war.

„Hatten Sie Schwierigkeiten, zu uns herauszufinden?“

„Natürlich.“

Kellings Frau machte ihn auf Anhieb unsicher, und wie immer wenn er unsicher war, wurde er schroff. Ein wenig zu demonstrativ schaute er sich um.

Das Haus war in den sechziger Jahren gebaut worden, als alle Welt unbedingt einen Bungalow im Grünen wollte. Die Halle war groß, mit grünem Velours ausgelegt und von afrikanischer Kunst umstellt. Die primitiven Kultgegenstände passten hervorragend zum übersinnlichen Hüftschwung der Frau neben ihm. Alles in diesem Haus war zu schön und zu teuer. Allein das Wenige, was die Gastgeberin am Leibe trug, hatte soviel Geld gekostet, dass es Kelling bei aller Liebe jedes Mal leid tun musste, wenn sie sich auszog.

Woher, überlegte Harry Mann, nahm der kleine Abteilungsleiter einer kleinen Import-Export-Firma mit seinen, wenn’s hochkam, zehn brutto im Monat das Geld für so ein Haus und für so eine Frau?

Neid, der gute, verlässliche Neid und beste Ratgeber in allen kitzligen Lebensfragen, stieg in ihm auf.