2.2

„Hmmh“, murmelte Kelling, „mach das.“

Der alte Kraftmeier fühlte sich in seinen eigenen vier Wänden sichtlich unwohl. Und er schien, zu Manns ziemlicher Überraschung, unter der Fuchtel zu stehen.

Mit einer bedauernden Geste wies Kelling quer durch den Raum, während sein Blick dem nackten Rücken mit den zwei Muttermalen auf dem Weg durch den Wintergarten hinaus auf die Terrasse folgte. Erst als seine Frau außer Hörweite war, verzog er den Mund zu einem überlegenen Lächeln und zeigte auf den Kachelboden.

„Letztes Jahr lag hier noch flauschiger Teppichboden, und wir lümmelten uns auf einer kackbraunen, knapp kniehohen Sitzlandschaft.“ Kellings Stimme war jetzt wieder zu laut wie immer. „Ein Schlückchen Champagner?“

Mann nickte.

„Tja“, sagte Kelling, „heute ist ein wichtiger Abend.“

„Sie haben etwas zu feiern?“ Mann gab seiner Stimme einen leicht empörten Unterton. „Das hätten Sie mir sagen müssen …“

Kelling winkte ab und grinste wie Kater Karlo. „Es geht nicht um uns, es geht um Sie, mein Lieber. Wenn Sie wollen und sich nicht allzu blöd anstellen …“

Befriedigt über seine verworrenen Andeutungen, stiefelte er zu einem Tisch mit einer improvisierten Bar, der im Wintergarten stand.

Mann wusste nicht, was er dem alten Mann antworten sollte. Wie immer, wenn er mit ihm sprach, beschlich ihn das Gefühl, in einen großdeutschen Spielfilm geraten zu sein. Kelling hatte eine fatale Neigung, diese vierschrötigen Helden-Jungs zu imitieren: sexy wie Kruppstahl und dumm wie die Sünde. Oder umgekehrt. Es kam nicht so genau drauf an bei Männern wie Kelling, bei diesen Psycho-Krüppeln aus der großen Vergangenheit, schneidig und servil, vielseitig verwendbar und von ihrer Hitlerjugend an missbraucht.

Spannender war seine Frau. Mann schätzte sie auf drei, vier Jahre älter als er selbst, also Anfang Vierzig.