2.2

„Es tut mir leid, dass ich Ihnen den Abend …“, sagte Harry Mann steif und hatte plötzlich das frohe Gefühl, dass gleich alles überstanden sein würde. „Vielleicht ist es besser, wenn ich jetzt gehe.“

„Sie gefallen mir, junger Mann.“

Irene Hexter strahlte ihn unvermittelt an.

Ihre  Freundlichkeit machte all seine Hoffnungen auf ein schnelles Entkommen zunichte. War die Alte auf Koks? Abrupte Stimmungsumschwünge wie diesen kannte er nur aus der Zeit, als sein bester Freund Peter sich mit allem vollpumpte, was gerade greifbar war. Er wünschte einmal mehr, er wäre gar nicht erst gekommen.

Die anderen taten, als sei nichts passiert. Sie schienen sich dabei nicht einmal sonderlich verstellen zu müssen. Als sie ihren Cocktail vernichtet hatte, stöckelte Kellings Frau zu dem vorbereiteten Tisch in der laubenartigen Sitzecke, zerrte die Plastikfolien und Handtücher von den Platten und Schüsseln und brachte zum Vorschein, was ein Partyservice dort aufgebaut hatte. Schließlich klatschte sie in die Hände und rief mit falscher Fröhlichkeit: „Auf zur Schlacht am kalten Buffet.“

Mann fiel dazu das passende Lied ein, derselbe Klampfensong, an den die Gastgeberin wahrscheinlich auch gedacht hatte, und es schüttelte ihn doppelt. Der Rest des Abends versprach so öde zu werden, wie man es von einem Stehempfang für vier Personen erwarten durfte.

Sie aßen eine Weile im Garten. Anschließend setzten sie sich auf die Terrasse vor dem Wintergarten, und während in den hohen Büschen, die das Grundstück vor den Blicken der Nachbarn schützten, die Grillen zirpten, schwadronierte Kelling über seine Zukunft als Pensionär, über lukrative Gelegenheits-Geschäfte und große Urlaubsreisen, die er nie machen würde. Seine Frau schaute gelangweilt, und Irene Hexter trank auf Teufel komm raus ihr dubioses Gemisch aus Cognac und Champagner.