2.2

Mann schien es, als könnten sie in seiner Gegenwart über nichts reden, was ihnen wichtig war, und doch wollten sie ihn nicht gehen lassen. Seine Versuche, Geistreiches zum Gespräch beizusteuern, beschränkten sich weitgehend auf gelegentliches Kopfnicken. Wann immer er aber mehr als zwei Silben äußerte, widmeten die drei anderen ihm sofort ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, und er wurde den Verdacht nicht los, gerade einen eigentümlichen Eignungstest zu absolvieren.

„Verdienen Sie genug, mein Lieber?“ unterbrach Irene Hexter schließlich das dahinplätschernde Gespräch.

Wollte sie ihm schon vor seinem ersten Arbeitstag einen anderen, besseren Job anbieten? Er schaute ihr in die Augen, weiche, tiefbraune Hundeaugen, die so gar nicht zu ihrem zerknitterten Gesicht passten. Sie imponierte ihm. Sie trank mehr als die anderen und verlor doch keinen Augenblick die Kontrolle.

„Ich meine“, setzte sie nach, „reicht Ihnen das Gehalt, das Sie bei ,Schlosser‘ bekommen werden?“

Ihr Ton war jetzt wieder so gönnerhaft und herablassend wie zu Beginn des Abends. Mann fiel keine Antwort ein, die zugleich intelligent und unverschämt war.

Natürlich war es lausig, was „Schlosser, Rulow & Co.“ dem ältlichen Anfänger zu zahlen bereit waren. Andererseits konnte er froh sein, überhaupt noch einen Job gefunden zu haben. Also schüttelte er nur dumm grinsend den Kopf. Die herrische alte Dame grinste zurück.

„Was würden Sie von einer kleinen Nebentätigkeit halten?“

„Zeitungsaustragen war mir schon als Zehntklässler zu dumm.“

„Nun, das muss ja nicht immer so bleiben. Vielleicht sind Sie inzwischen erwachsener geworden?“

„War nie mein Lebensziel.“

„Sondern?“