2.3

Gegen Mitternacht begleitete Rudolf Kelling die Alte zu ihrem Wagen. Obwohl sie für ein paar Hunderter Cognac und Champagner intus hatte, schritt sie so gerade dahin wie ein russischer Gardeoffizier. Der strohblonde Punkie-Chauffeur draußen musste inzwischen Schwielen am Hintern und an den Hacken Blasen haben. Aber vielleicht war ihm dafür gedämmert, wer Bambi auf dem Gewissen hatte.

Die Nacht war kühler geworden. Gallathea Kelling schüttelte es leicht.

„Kommen Sie“, sagte sie, „gehen wir rein!“

Kaum hatte Harry Mann genickt, nahm sie ihr Glas und rannte in Richtung Terrasse davon, als hätte sie einen wichtigen Termin. Er hielt nur mit Mühe Schritt.

An der Tür zum Wintergarten blieb sie stehen und drehte sich halb zu ihm um, so dass ihre Haut auf dem Rücken tiefe kleine Falten warf. Ihre vollen Lippen lächelten ihn entschieden zu freundlich an.

Er war vernünftig genug, nichts daraus zu machen, und seine Gastgeberin dirigierte ihn, unverdrossen strahlend, zu dem weißen Esstisch und den unbequemen Bauhaus-Stühlen.

„Mein Mann sagt, Sie seien der älteste Kandidat für den Job gewesen.“ Ihr roter Mund lachte weich. „Und der lustloseste.“