2.3

„Sie müssen nicht alles glauben, was Sie hören.“

„Also hat mein Mann Unrecht?“

„Die Leute sehen immer nur, was ihnen gefällt.“

Kellings Frau blickte ihn mit verwunderten Augen an. „Wie kommen Sie auf die seltsame Idee, es könnte einem gefallen, wenn der zukünftige Stellvertreter stinkfaul ist?“

„Er scheint zufrieden, ich bin zufrieden.“

„So sehen Sie nicht gerade aus.“

„Jetzt bin ich privat. Sie sollten mich mal im Büro erleben!“

„Geschieht mir recht“, sagte Kellings Angetraute. Sie kratzte sich ungeniert am Ausschnitt hinter den Fetzen schwarzen Musselins.

Er schwieg.

Eine seltsame Stimmung kroch zwischen ihnen hoch. Die schöne Gallathea schwankte zwischen den Rollen von Hure und Kommissar. Alles lief auf Streit oder Sex hinaus. Er hoffte, Kelling käme endlich zurück.

„Sie sind nicht verheiratet. Und eine feste Freundin haben Sie auch nicht …“

Das war keine Frage, sondern eine Feststellung, also gab er ihr keine Antwort. Kelling hatte ihn nicht nur unerbittlich über sein Privatleben ausgefragt; er hatte seine Erkenntnisse obendrein weitergetratscht.

„Lassen Sie uns Bruderschaft trinken“, sagte sie, als er keinerlei Anstalten zur Konversation machte.

„Ich heiße Gal.“ Sie sprach es „Gell“ aus. Dabei strahlte sie ihn an, dass es ihm zwischen den Beinen pochte.