2.3

„Aha“, sagte er und rührte sich nicht.

Die Situation war gequirlter Irrsinn. Wahrscheinlich legte es die Hausherrin auf eine Eifersuchts-Szene an, bei der ihr Angetrauter mal so richtig den Kürzeren zog.

„Soll ich dich so nennen: ,Aha‘?“ fragte Gal, dezent wie ihr Lippenstift.

„Wenn’s dir gefällt.“ Er konnte es nicht ändern, dass er so blöd daherredete. Er musste sie zurückstoßen oder er musste sie an sich reißen.

Gal sagte: „Dann bin ich ,Oho‘!“ und lächelte nachsichtig, als handele es sich bei ihm um ein trotziges Kind in den besten Flegeljahren.

Sie hob ihr Glas und stieß es über den Tisch. Beim obligatorischen Kuss tauchte ihr Mund an der dargebotenen Wange vorbei. Ihre Zunge glitt über seine verschlossenen Lippen, zweimal, dreimal, dann stieß sie durch und drückte auf seine Schneidezähne. Er spielte toter Mann und bewegte sich nicht.

Sie wich ein wenig zurück und sagte „Mannomann“, wie bei einem Streit im Sandkasten.

Genau da wohl ahnte er es zum ersten Mal. Er starrte zurück, schwieg und überlegte angestrengt, was ihm mehr einbringen würde: Kellings Sympathie oder diese Nacht mit seiner Frau?

Aber irgendwo in seinem Hinterkopf spürte er schon, dass er sie lieben würde, so sehr, wie niemanden zuvor. So sehr fast, wie sich selbst.

Für diesen Augenblick nahm Gal ihm die Entscheidung ab. Sie stand auf und kam um den Tisch herum. Bevor er sich rühren konnte, schnappte sie sich seine Hände und legte sie auf die Brüste, die er so lange angestarrt hatte. Die Fetzen Musselin schwebten beiseite. Sie beugte sich zu ihm herunter und sagte leise:

„Küss mich.“

Er schob seine Zunge zwischen ihre karmesinroten Lippen und vergaß zu denken.