2.4

Und jetzt lag er neben Kellings Frau im Bett, und statt seinen Rausch auszuschlafen, schlurfte der Alte im Parterre unaufhörlich auf und ab. Das Radio, das sie hatten laufen lassen, spielte dazu die Tanzmusik.

Mann kam sich in seiner eigenen Haut wie ein Fremder vor.

Er gehörte nicht hierher. Es war das Morgengrauen, die Zeit, zu der er sonst aus dem „Slumberland“ wankte, in die halbe Sonne blinzelte und mit dem guten Gefühl, ein hoffnungsloser Fall zu sein, nach Hause taperte, über den leeren Winterfeldplatz in die vage Richtung seiner dunklen Vier-Zimmer-Bad-Klo-Hinterhof-Höhle, die er teilte mit Kistenmöbeln und Ikea-Regalen und mit all dem Oma-Plüsch-Sperrmüll, den er so sehr hasste.

Da gehörte er hin.

Nach Hause. Er, der letzte Mohikaner, einziger Überlebender jener legendären Drei-Männer-zwei-Frauen-Wohngemeinschaft. Nach Hause, durch das Vorderhaus, vier muffige Treppen, „Morj’n“ ohne Antwort zu einem der zahllosen Türken, die einem immer entgegenkamen auf ihrem Weg zur Fabrikarbeit; das Gefummel mit dem Schrottschloss, dann der Tritt gegen die verzogene Tür, drinnen. Erst mal pissen …

Neben ihm bewegte sich Gal im Schlaf. Pissen wär’ jetzt auch nicht schlecht.

Der Fall ins Bett. Zu Hause sein. Am frühen Nachmittag dann das verkaterte Erwachen, ein weiterer Tag verschlafen, zum Bäcker. Die Sesamschrippen sind aus, längst; die sinnlose Frage nach den Croissants kann er sich ersparen. Zurück, am Briefkasten vorbei. Bunte Reklame, triste Auszüge vom leeren Postscheckkonto, mal eine Postkarte aus Kreta oder aus der Toscana, immer wieder weiter, und dann plötzlich: Bäng!

Er schreckte aus seinem Halbschlaf. Kelling lärmte demonstrativ im Erdgeschoß.