2.6

Sie bat ihn nicht, sie machte ihm keinen Vorschlag, und sie sagte nicht, was wäre wenn. Sie erzählte, wie man von einem alten, vertrauten Tagtraum erzählt, in den man sich an den einsamsten Stunden des Tages flüchtet, und ihre Lippen bewegten sich dabei so weich und absichtslos, wie es nur die Lippen von Wo-nach-auch-immer-Süchtigen zustandebringen.

„Wenn Kelling aus seiner Ohnmacht erwachen wird“, begann sie mit gleichgültiger Stimme, als sei von einem flüchtigen Bekannten die Rede, „wird er eine Weile brauchen, um zu erkennen, wo er ist. Ganz allmählich erst wird sich alles zusammenfügen: Er liegt auf hartem Boden. Kacheln. Er ist an Händen und Füßen gefesselt und mit einer Serviette geknebelt. Der Raum ist winzig, fensterlos, dunkel. Keine Ahnung, wie spät es ist. Die Konturen von Regalen, Flaschen, Dosen zeichnen sich ab. Man hat ihn in die Abstellkammer hinter der Küche gebracht. Sein Gesicht ist eine offene Wunde. Vorsichtig versucht er, sich zu bewegen. Vergeblich. So liegt er da und schwelgt in Rachephantasien.“

Gal sah Harry Mann an, aber ihr Blick ging durch ihn hindurch. Als sie weiter sprach, lächelte sie:

„Kelling wird sich alles sehr genau überlegen: Wie er sich scheiden lassen wird, ohne dass er seiner Frau, dieser verbrecherischen Hure, einen Pfennig zahlen muss; wie er dafür sorgen wird, dass Mann, dieser Versager, auf den er seine Hoffnungen gesetzt hatte, in der gesamten Exportbranche nie wieder eine Anstellung finden wird; wie … Doch je detaillierter er seine Pläne schmiedet, desto deutlicher wird er die Gefahr ahnen. Weder Mann noch seine Frau sind so dumm, dieses Risiko einzugehen. Schließlich weiß Kelling, dass er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange zu leben hat. Er kann plötzlich den Tod so deutlich riechen wie den scharfen, klinischen Geruch, den das halbe Dutzend Plastikflaschen mit Haushaltsreinigern verströmt. Er wird versuchen sich abzulenken: Mann ist ein Idiot, mit seiner Hilfe hätte der Junge ein Vermögen machen können. Gut, minus dreißig Prozent für Kelling, der damit seine alten Tage finanziert hätte, aber immer noch ein Vermögen für diese verkrachte Existenz, diesen Verlierer namens Mann. Und was tut er stattdessen? Geht dieser Schlampe auf den Leim. Oder auf den Schleim.“