2.6

Gals Gesicht war jetzt ausdruckslos. Nicht sie sprach. Gespenstisch klang ihre Stimme nach Kellings Kasinoton.

„Löcher!“ sagte sie verächtlich. „Nur aus Löchern besteht sie, heiß und hohl. Keine Ahnung, warum sie das tut, nach all den Jahren. Aber sie und ihr Ficker werden nicht davonkommen damit. So kurz vor dem Ziel, mit dem Haus fast bezahlt, die Pensionierung zum Greifen nahe, die Abmachung zwischen Hexter und Mann so gut wie perfekt … Allmählich, erst ganz allmählich werden Kellings Gedanken versiegen. Zu seinem Tod fällt ihm wenig ein. Eigentlich nur, dass die Außenwände des Bungalows kaum dreißig Zentimeter messen, was er immer viel zu dünn fand, und dass hinter diesen dreißig Zentimetern die Welt ein stinknormales Wochenende verlebt, während er, der große Rudolf Kelling, sterben muss.“

„Nein“, sagte Mann, „ich bin nicht verrückt, niemals!“

Nicht Gals weiße Brüste und nicht ihre festen Schenkel und erst recht nicht seine Liebe, von der er noch kaum etwas wusste, konnten ihn überreden. Auch seine Angst vor Kellings Rache hielt sich in Grenzen. Im Zweifel würde seine Aussage gegen die Anschuldigungen eines betrogenen Ehemannes stehen. Nicht einmal für eine lausige Kündigung reichte das.

Außerdem hatte er schon einiges mitbekommen, was die Beteiligten nicht allzu gerne einem Arbeitsrichter erklären würden: Kellings ungewöhnlicher Wohlstand hatte mit Irene Hexter zu tun. Worum es auch immer ging, es war illegal. Daher das eigentümliche Interesse seines Chefs an ihm. Gerade sein zweifelhaftes Arbeits-Vorleben und sein augenfälliger Mangel an Eifer hatten ihm erst den Job und, weil auf seine Unzufriedenheit Verlass schien, dann Hexters Antrag eingetragen. Wenn er auch noch nichts richtig begriff, die Schlacht war zu gewinnen.