2.7

Die Straße vor Kellings Bungalow lag samstagnachmittäglich und menschenleer in der Sonne wie all die anderen kleinen Straßen auch. Mann fuhr direkt die Auffahrt hoch und auf dem schmalen Plattenweg um das Haus herum. Das Loch hatte er schon am Morgen in die Scheibe der Terrassentür geschlagen. Er drehte den Schlüssel, der von innen im Schloss steckte, und öffnete die Tür. Dann trug er das Fahrrad die Stufen hinauf, schob es durch den Wintergarten ins Esszimmer und lehnte es an die Wand bei der Vase mit dem Schachbrettmuster.

Die Luft in dem Raum, im ganzen Haus war stickig. Es roch nach Langeweile, nach tiefem Missmut, nach so vielen vergeblichen Versuchen, das gute Leben zu leben.

Kalter Schweiß lief Harry Mann plötzlich die Schläfen hinunter. Er lehnte sich gegen die Glaswand des Wintergartens, erschöpft und betäubt.

Erst als er an Gal und Kelling dachte, kam die Wut zurück, die er brauchte. Er stellte sich vor, wie die beiden hier gesoffen und gestritten hatten und sich nach Strich und Faden betrogen. Wie sie sich verbiesterten und gierig vergeudeten. Er hasste den Mann, und er liebte seine Frau. Gallathea. Eingefangen von ein bisschen Luxus. Wieder und wieder beschlafen von diesem einfallslosen Pflichtapostel, einem dieser Hauruck-Typen, dieser tumben Kriegs-Schufte und Nachkriegs-Schufter, die der allgemeine Personalmangel damals nach oben gespült hatte; ein körperliches und intellektuelles Leichtgewicht, dem es gelungen war, sich erfolgreich bis zur Pensionsgrenze durchzumogeln.

Jetzt aber hatte es ihn erwischt.

Rudolf Kelling lag auf den weißen Fliesen in der hintersten Ecke des kühlen Esszimmers. Gal hatte, bevor sie gegangen war, den gefesselten Körper aus der Abstellkammer dorthin geschleift und den Kachelboden gründlich gereinigt. Kellings Gesicht war blutig und geschwollen. Er zitterte und stammelte unverständlich hinter seinem Knebel.