2 Gallatheas weiße Haut

Im Flur hinter der offenen Stahltür empfing Peter den Besuch halbnackt und tropfnass von den langen schwarzen Haaren, die auf seinen Schultern klebten, bis zu den haarigen weißen Zehen, um die sich kleine Pfützen bildeten. Er kam frisch aus der Heimsauna, hatte ein Handtuch um die kräftiger werdenden Hüften gewickelt und hielt wie immer weiten Abstand. An seiner panischen Berührungsangst hatte sich nichts geändert.

Mann grinste ihn an. „In Strapsen gefällste mir besser.“

Peter lächelte säuerlich zurück. „Kannst mir ja welche leihen.“

„Was denn? Haste keine mehr?“

„Hatte ich denn mal welche?“

„Hundertprozent. Als du noch Dichter werden wolltest.“

Peter sah ihn verständnislos an.

„Weißte nicht mehr“, sagte Mann, und er hörte, dass seine Stimme fast traurig klang, „wie du uns damals, nackt bis auf Annes Strumpfhosen, deine Gedichte vorgetragen hast?“

„Ja. Stimmt wohl.“ Ein Anflug von Erinnerung ging über Peters Gesicht, gepaart mit einer gehörigen Portion Misstrauen. „Ist aber schon nicht mehr wahr …“

„Vorm Spiegel im großen Zimmer, das volle Programm: Ich, Petronius, der mittelalterliche Barde. Kurz bevor …“

„Tja ja, wenn’s auch schön war“, unterbrach ihn Peter in seinem besten Arbeitgebertonfall, „war ist gewesen …“

Er drehte sich um und platschte mit seinen nassen Füßen über den Marmorboden in Richtung Arbeitszimmer. Harry Mann folgte ihm stumm ein Stück weit. Durch die offene Tür sah er auf dem schneeweißen Fantoni-Schreibtisch ein neueres Modell des grauen Kastens flimmern, der ihm seit Tagen das Leben zur Hölle machte.