2 Gallatheas weiße Haut

Zwanzig Minuten später lenkte Harry Mann den Golf langsam und ein wenig ziellos gen Norden, entlang der sich endlos ziehenden Reihen von Laternen und Jägerzäunchen. Der gewölbte Teerbelag der Vorstadtstraßen schimmerte noch weich von der Hitze der untergegangenen Sonne, und die Reifen des Cabrios summten auf den Geraden und gingen quietschend in jede der sanften Kurven. War der Tag zu schön und zu warm gewesen für einen deutschen Spätsommer, so lag nun über dem Abend ein Hauch von Unwirklichkeit, der gut zu Manns Erwartungen passte.

Er atmete den Fahrtwind.

Links und rechts der schmalen Straßen schienen die Einfamilienhäuser festgeklammert wie Wäsche an der Leine, und die menschenleeren Bürgersteige glänzten so sauber, als würden sie täglich gewischt. Dies war ein Teil von Berlin, wo die Hauptstadt der Flippies und der halbseidenen Subventionskünstler jede Dumpfheits-Konkurrenz mit der fernsten Provinz im fernen Wessieland gewann.

Nicht gerade Manns Milieu. Je näher er seinem Ziel kam, desto mehr versprach es einer dieser Abende zu werden, die man am besten überstand, indem man immer mehr trank und immer weniger Worte machte.

„Bla-bla-bla“ ging es durch seinen Kopf, bis ihm die Melodie dazu einfiel und er es leise in die heiße Abendluft sang: „Bla-bla-bla, Ba-Bar-bra-Ann, I love you more than you ever can.“

Das war natürlich Stuss.

Eine Barbara hatte er nie gekannt, Anne liebte er schon lange nicht mehr, und auf das Bla-Bla, das Kelling über ihn ergießen würde, hatte er verdammt wenig Lust.

Keine Ahnung, was der Alte von ihm wollte. Nur dass er etwas im Schilde führte, daran konnte es keinen Zweifel geben. Mit seinem mal großmäuligen, mal verschwörerischen, immer aber gönnerhaften Gerede war er ihm so lange auf die Nerven gefallen, bis Mann den geplanten Wochenendtrip nach Hamburg verschoben und Kellings Einladung angenommen hatte.