2 Gallatheas weiße Haut

Die zweite Hälfte der Nachrichten nahmen langatmige Meldungen über die Bonner Korruptions-Arie ein. Selbst die Skandale waren langweilig. Er erklärte dem Radio-Heini in Gedanken zum xten Mal, dass er damit nichts zu tun haben wollte, weshalb er ihn mal könne, schaltete aus und sah im Rückspiegel zu, wie die elektrische Antenne im Heck des Cabrios versank.

Alle drei-, vierhundert Meter ging eine weitere saubere Teerstraße ab. Ein Weg namens Am Rehwinkel war schon seit einer Viertelstunde nicht dabei.

„Also, wir sehen Sie um acht“, hatte Kelling gesagt, bevor er heute Mittag direkt vom Arbeitsessen in die Freizeit geglitten war. „Meine Frau freut sich, Sie kennenzulernen. Und nicht nur sie kann’s kaum erwarten …“

Harry Mann hasste den aufgeräumten Ton seines zukünftigen Chefs, diese immer etwas zu laute Mischung aus Stabsoffizier und Feldwebel. Wie viele Leute kamen, hatte Kelling nicht verraten, und er hatte versäumt, danach zu fragen. Er war spät dran. Wenn es eine kleine Einladung war, schlichen alle schon eine Weile mit gierigen Blicken um den gedeckten Tisch herum und verfluchten den säumigen Gast.

Ein paar Sekunden spielte er mit dem Gedanken, einfach umzukehren. Auf seinem zerfledderten und verfalteten Faltplan ließ sich der Winz-Weg, in dem Kelling wohnte, nicht finden. Zudem war Wochenende, und er würde wenig Mühe haben, in einer der Bafög-Discos eine Frau für die Nacht aufzutun. Am Montag konnte er dann Kelling im Büro anrufen und behaupten, den Zettel mit der Adresse verloren zu haben; im ordinären Telefonbuch stand der wichtige Herr ja nicht.

Aber bevor er sich zu einem Entschluss aufraffte, der sein vertrautes Dasein hätte retten können, entdeckte Harry Mann das richtige Straßenschild.