3 Cash & Kill

3.1

Gegen neun, als allein der Schmerz seiner wunden Schenkel, die sich am Sattel des Rades rieben, ihn noch wach hielt, kam er zuhause an. Der Hinterhof lag in sonntäglichem Schlaf. Harry Mann schob das Fahrrad durch den Hausflur und trug es die Kellertreppe hinunter. Auf dass es weitere Jahrzehnte unbenutzt bliebe. Die Satteltaschen leerte er in eine der unzähligen „Zweitausendeins“-Plastiktüten, die er mal gesammelt hatte und die nun hier der Nullzeit entgegenmüllten.

Hinter dem kleinen Kellerraum, der zu seiner Wohnung gehörte, lagen zwei weitere Kabinen; danach begann das fensterlose Gewölbe sich zu senken. Ein Stück weit konnte man gebückt gehen, dann musste er kriechen. Die Luft war feucht und muffig. Klebriger Braunkohlenstaub lag zentimeterdick. Bis heute war er dem Gang nie zu seinem Ende gefolgt. Mann roch das vermoderte Holz alter Möbel, seine Hände fühlten Kohlensäcke, Pappe, Gerümpel aller Art aus der Vorplastik-Ära.

Links und rechts zweigten zwei Nischen ab. In eine hatte ihn die Neugierde schon einmal getrieben, kurz nach seinem Einzug vor anderthalb Jahrzehnten. Damals hatte er hier die Doppelseite einer Zeitung vom 3. Januar 1945 gefunden, ein Feuilleton mit Endsiegs-Kultur. Mann robbte an den Nischen vorbei. Es machte ihm Mühe; unendlich müde und zerschlagen fühlte er sich.