3 Cash & Kill

Sechs, sieben Meter ging es noch voran, bis der inzwischen einen knappen Meter niedrige Schacht vor einer Backsteinwand endete. Harry Mann schob die Plastiktüte mit der Kelling-Beute in die äußerste Ecke und häufte eine Schicht Kohlenstaub darüber. Dann kroch er zurück, griff ein großes Stück Pappe und zerrte es mit nach hinten. Die Tüte verband ihn mit dem Mord. Es wäre vernünftiger gewesen, sie einfach wegzuschmeißen, wie er es mit Gal verabredet hatte. Aber dazu erschien der Schmuck ihm plötzlich zu wertvoll. Immerhin war er das einzige, was er bei der Sache bislang mit Sicherheit verdient hatte.

Als er endlich oben vor seiner Wohnungstür stand, schmerzte sein Körper wie nach drei durchzechten Nächten; seine Kleidung war verschwitzt, Spinnweben klebten ihm in den Haaren, und seine Hände waren bis unter die Fingernägel verdreckt. Er schloss auf, schleppte sich durch den langen Flur ins Schlafzimmer, zog sich die Kleider vom Leib und beschloss zu duschen. Für einen Augenblick setzte er sich aufs Bett.

Das nächste, woran er sich erinnerte, war das Klingeln des Telefons. Er wankte hinüber ins große Zimmer – er hatte sich schon vor Jahren angewöhnt, den ehemaligen Gemeinschaftsraum ihrer Drei-Männer-zwei-Frauen-WG so und nicht Wohnzimmer zu nennen –, und hob grummelnd den Hörer ab.

„Lust auf ‘ne Sause?“

Er erkannte Peters Stimme. Draußen war es dunkel. „Wie spät ist es, um Himmels willen?“

„Beste Jagdzeit, kurz vor zehn. Die letzten heißen Minuten dieses Wochenendes. Wer jetzt keine kriegt, bleibt bis zum nächsten Freitag unbefleckt.“

„Oh, Alter! Aufreißen ist genau das, worauf ich gerade stehe.“

„Was soll das heißen? Haste schon geschlafen?“

Allmählich kriegte Mann die Situation in den Griff. „Nicht schon. Noch.“