3.2

Im Briefkasten fand Harry Mann ein Schreiben von „Schlosser, Rulow & Co.“. Ein Herr Neurockel äußerte die Bitte, er möge sich umgehend bei seinem zukünftigen Arbeitgeber melden. Wozu der sehr geehrte Herr Mann im Augenblick keine Lust verspürte. Dieses Gespräch konnte ruhig noch eine Woche warten.

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der „Paris Bar” verbrachte Mann den Tag damit, Geld auszugeben. Bei „Zweitausendeins“ an der Kantstraße erstand er für einen halben Hunderter ein halbes Dutzend Billig-Schallplatten.

Einzukaufen beruhigte seine Nerven. Diesmal benötigte er besonders viel Beruhigung, und so stiefelte er durch den Nieselregen zum Kadewe und verschwendete den zweiten halben Hunderter im sechsten Stock für Lachs, Crème Fraîche, Lenôtre-Schrippen und eine Flasche Veuve im Sonderangebot.

Auf dem Weg zu dem Express-Fahrstuhl, der ihn direkt ins Parterre bringen sollte, verirrte er sich wie üblich in dem Gewirr der unzähligen Stände. Als er ein Stück weiter hinten, bei den Rolltreppen, die Ecke mit den Zeitschriften entdeckte, fiel ihm ein, was er den ganzen Tag über vergessen hatte. Er schleppte sein Bündel Tüten hinüber und kaufte die „taz“ und „Rolling Stone“ und, weil es nicht mehr nur um fremder Leute langweiligen Sex & Crime ging, sondern um sein eigenes Leben, auch eine „BZ“.

Den Luxus dieses Nachmittages zu komplettieren, nahm er sich dann vom Wittenbergplatz ein Taxi nach Hause. Während der fünfminütigen Fahrt zur Goltzstraße fand er den gesuchten Artikel auf Seite drei und überflog ihn.

„Blutbad im Pool“ lautete die fünf Zentimeter hohe Überschrift. Das vollständig unscharfe Foto dazu zeigte einen grauen Klumpen Mensch in einer grauen Masse Wasser. Der kurze Bericht, abgefasst in Stammeldeutsch, beförderte Kelling zum erfolgreichen Handelsmann und Gallathea zu einer schönen Witwe, deren Leben ohne den geliebten Gatten jeden Sinn verloren hatte.