3.2

Den Lachs beendete er fast zeitgleich mit den Nachrichten, der Champagner war schon erheblich vorher versiegt. Als die Werbung begann, schaltete er den Apparat aus. Wenn er Gartenzwerge sehen wollte, brauchte er nur auf die Fenster gegenüber zu schauen.

Wieder stellte sich die Frage, wie er seine Zeit totschlagen sollte. Er konnte sich nicht erinnern, dass es ihm jemals zuvor so ergangen war. Nie in seinem Leben hatte er unter Langeweile gelitten. Im Gegenteil, während seiner langjährigen Existenz als werdender Sozialfall war es ihm stets schwergefallen, sich vorzustellen, wie all die Leute zurechtkamen, die jeden Tag für acht Stunden zur Arbeit gehen mussten.

Kaum aber hatte er selbst Aussichten auf eine Karriere, welcher Art auch immer, waren seine Tage eigentümlich leer geworden. Seit er ein Ziel vor Augen sah, konnte er den Weg dorthin nicht mehr genießen. Er hatte keine Lust, sich mit Peter zu treffen, und es graute ihm davor, Stunden in halbdunklen Kneipen abzusitzen. Er war unruhig, rastlos.

Vielleicht, schoss es ihm plötzlich durch den Kopf, war er so unruhig, weil er befürchtete, es könnten seine letzten Stunden in Freiheit sein? Vielleicht hatte er Angst, simple, ordinäre Angst? Vielleicht war er kurz davor, die Nerven zu verlieren? Und damit alles, was er sich erhoffte!

Ohne es recht zu merken, stand er auf und begann, im Zimmer auf und ab zu laufen. Draußen brach die Abenddämmerung herein, und in der Wohnung wurde es dunkel. Bevor er das Licht anschaltete, ließ er die Jalousien herunter.

Nein, so war es nicht, es war anders. Er verlor nicht die Nerven. Er hatte sich entschlossen, alles zu riskieren, er hatte es gewagt, und nun war er ungeduldig, dass das Rennen endete und die Schalter öffneten, damit er seinen Gewinn kassieren konnte.

Alles, was ihm fehlte, war Geduld. So viele Jahre seines Lebens hatte er gewartet, ohne zu wissen, worauf. Nur Geduld fehlte ihm jetzt. Nichts sonst, nur ein bisschen mehr Geduld. Ein paar Monate noch.