3.2

Mann gab dem Taxifahrer ein gutes Trinkgeld und ließ ihm auch die „BZ“ liegen. Die Polizei tappte im Dunkeln. Alles lief, wie Gal es geplant hatte.

Mann freute sich auf einen ruhigen Abend. Er würde „Rolling Stone“ lesen, die neuen Platten hören, alte Aufnahmen, zumeist aus den sechziger Jahren, und er würde dazu königlich speisen.

Gerade fummelte er an dem klemmenden Schloss seiner verzogenen Eingangstür herum, als drinnen das Telefon zu klingeln begann. Er versetzte der Tür einen kräftigen Tritt und lief, in der linken Hand noch die Einkaufstüten, ins große Zimmer. Den Schlüssel, den er in der rechten Hand hielt, ließ er auf den Boden fallen und hob den Hörer ab. Vielleicht war es Gal.

„Hallo?“ fragte er ein wenig atemlos.

„Herr Mann? Harry Mann?“

Mann hasste Leute, die sich nicht mit ihrem Namen meldeten, im Gegenzug aber erwarteten, dass ausgerechnet der Angerufene, den sie ungebeten belästigten, sich ihnen, den unverschämten Eindringlingen, vorstellte.

„Wer ist dran?“ fragte er, jeden Augenblick bereit, aufzulegen.

„Lang, Hauptkommissar Lang.“ Pause. Der Mann am anderen Ende schwieg. Er ließ seinen Dienstgrad nachwirken. „Sie können sich denken, warum ich Sie anrufe?“

„Kelling vermutlich. Furchtbar. Ich habe es heute in der Zeitung gelesen.“

Mann versuchte, seiner Stimme einen betroffenen Unterton zu geben. Vorsichtig lehnte er die Tüten gegen das Sofa. Er hatte sie noch nicht losgelassen, da kippte der Champagner schon krachend auf die abgezogenen Dielen, die Schallplatten darüber.

„Gewiss, gewiss. Tragisch.“ Die Gefühle seines Gesprächspartners schien der Hauptkommissar nicht ermitteln zu wollen. „Sie waren mit dem Ermordeten noch kurz vorher zusammen?“

„Am Freitag. Ich war zum Essen eingeladen, draußen in seiner Villa …“

„Ich weiß. Das ist auch der Grund meines Anrufs, ich habe Ihnen ein paar Fragen zu stellen.“