3.2

Mann schwieg. Er ärgerte sich über den dreisten Ton, und er ärgerte sich über die Art und Weise des Verhörs. Warum fragte ihn der Bulle, wenn er schon alles wusste? Vor allem aber spürte Mann plötzlich so etwas wie Angst, ein hohles Gefühl im Unterleib.

„Ist Ihnen“, fuhr der Anrufer nach einer kurzen Pause fort, „an diesem Abend etwas aufgefallen?”

„Nicht dass ich wüsste.“

„War Herr Kelling nervös, schien er etwas zu befürchten?“

„Nein.“ Mann hob seine Stimme: „Natürlich nicht. Wie sollte er auch? Wer kann schon ahnen, dass ein paar Tage später irgendjemand in sein Haus einbrechen wird?“

„Nun, so viele Tage lagen nicht zwischen ihrem Besuch und dem Mord. Allerdings steht noch nicht mit Sicherheit fest, wann genau die Tat geschah.“

„Sie werden’s schon rausbekommen.“

„Wenn man uns bei unserer Arbeit unterstützt … gewiss.“

Mann wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Sein Ärger hielt seiner Angst inzwischen fast schon die Waage. Der Herr Hauptkommissar kam ihm ebenso dumm vor, wie er unhöflich war. Richtig oder falsch, Mann fühlte sich recht sicher. Einige Sekunden, lange Sekunden, rauschte die Leitung leer. Mann spürte, dass sein Unterleib nicht länger rebellierte. Schließlich nahm der Anrufer einen neuen Anlauf.

„Ihre Trauer, wenn ich das mal sagen darf, scheint sich in Grenzen zu halten.“

„Ich weiß nicht, Herr …“

„Hauptkommissar Lang.“

„Ich weiß also nicht, Herr Lang, worauf Sie mit Ihrer Bemerkung hinauswollen?“

„Nun, wie Frau Kelling aussagte, haben Sie sich seit jenem Abend nicht mehr bei ihr gemeldet.“

„Seit welchem Abend?“

„Doch wohl seit der Essenseinladung, an welchen Abend könnte ich sonst denken?“