3.2

Manns Rücken versteifte sich ohne sein Zutun, und seine Körperhaltung übertrug sich auf seine Art zu sprechen. „Wir kennen uns glücklicherweise nicht gut genug, als dass ich über Ihre Gedanken orientiert sein könnte.“

„Lassen wir das. Sie haben sich also nicht gemeldet?“

„Nein. Warum sollte ich?“

„Warum Sie sollten?“ Für Manns Geschmack trug der Herr Hauptkommissar seine Verwunderung etwas zu dick auf. Aber er schien auch diese Rolle zu genießen. „Andersherum wird doch wohl eher ein Schuh daraus, nicht wahr? Oder fänden Sie es nicht ein ganz normales, den Gepflogenheiten mitteleuropäischer Höflichkeit entsprechendes Verhalten, wenn Sie der Witwe Ihres Chefs kondoliert hätten? Zumal Sie nur wenige Stunden vorher noch im Haus des Ermordeten zu Gast waren?“

„Ich bin vielleicht mit dem, was Sie normale Gepflogenheiten nennen, nicht sonderlich vertraut“, sagte Mann.

Seine Ausflucht entsprach der Wahrheit. So weit hatte er in seinem Versuch, keinerlei Verbindung zwischen sich und Gal offenbar werden zu lassen, wirklich nicht gedacht. Höflichkeit war eben nicht sein Spezialgebiet. Erst recht nicht deren formale Seiten. Dennoch schien ihm sein eigener Satz, als er ihm im Hörer nachlauschte, ziemlich unglaubwürdig zu klingen.

Überhaupt sprachen der Kripotyp und er miteinander, dachte Mann, als synchronisierten sie gerade eine amerikanische Krimiserie. Bei Bildstörung.

„Aber, falls es Ihnen hilft“, lenkte er ein, „will ich Ihnen verraten, dass mir solche Situationen halt peinlich sind, Sie verstehen schon, ich bin da ein bisschen feige. Außerdem kenne ich Frau Kelling kaum. Ich habe sie an diesem Freitagabend zum ersten Mal getroffen.“