3.2

„Wolf Reym?“ fragte Hauptkommissar Lang nachdenklich. „Irgendwie kommt mir der Name bekannt vor …“

„Lesen Sie den ,Stern‘?“

„Sagen wir, ich blättere regelmäßig darin.“

„Reym ist da Redakteur.“

„Stimmt“, sagte Lang, als glaube er Mann sonst kein Wort. „Hat Ihr Freund nicht neulich einen Kommentar zur Parteienaffäre geschrieben, ganz hinten im Heft, mit Foto?“

„Ja.“

„Ich erinnere mich gut daran. War ziemlich scharf formuliert, aber witzig. Wenn ich natürlich zu diesem Thema auch ganz anderer Ansicht bin.“

„Ich werd’s ausrichten.“

Mann ging der private Ton, zu dem Lang nun übergewechselt war, fast noch mehr auf die Nerven als zuvor die forsche professionelle Unverschämtheit des Polizisten.

„Machen Sie das.“ Auch Langs Ironie war unüberhörbar. „Also, bis Anfang der nächsten Woche dann.“ Er beendete das Gespräch, ohne eine Antwort abzuwarten.

Mann schaltete die Stereoanlage ein, legte eine der aktuelleren Neuerwerbungen auf, des mythischen Robert Zimmermanns „Slow Train Coming“, und drehte so laut, dass, falls sein penibler Nachbar zu Hause war, ein ungewöhnlich humorloser schwuler Philosophiestudent von knapp zwanzig Jahren, der Ärger gleich beginnen musste.

Einen Augenblick blieb Harry Mann vor dem Regal mit der Anlage stehen und hörte der knarrigen amerikanischen Stimme zu, die davon sang, dass man Panzer, ja sogar Banken besitzen könne und dennoch eines Tages vom Schicksal ereilt werde.

Dann, als sein Nachbar sich nicht rührte, packte er die restlichen Einkäufe aus, trug die Lebensmittel in die Küche und verstaute Lachs und Champagner im Kühlschrank. Der Appetit war ihm fürs erste vergangen.