3.2

Zweiter Punkt: Die Polizei hatte ihn angerufen. Warum? Ganz einfach, weil er, Harry Mann, achtunddreißig Jahre alt, nicht vorbestraft und vollständig unverdächtig, einer der letzten gewesen war, die Kelling lebend gesehen hatten; aus diesem und keinem anderen kühlen Grund. Das Verhalten dieses Hauptkommissars war Routine, ganz selbstverständliche Routine, und wenn er sich vorher einmal die Mühe gemacht hätte, darüber nachzudenken, hätte er einen solchen Anruf erwarten müssen. Stinknormal und ungefährlich. Erledigt, fürs erste jedenfalls.

In weiter Ferne hörte er Glocken läuten. Es war sechs Uhr. Bei Sonnenuntergang durfte der weiße Mann trinken. Er genehmigte sich seinen ersten Schluck.

Weiter. Drittens: Ein Herr Neurockel von „Schlosser, Rulow & Co.“ wollte ihn sprechen. In vier Wochen, am Montag der ersten Oktoberwoche, sollte er seine Arbeit aufnehmen, der Verantwortliche jedoch, der ihn eingestellt hatte, war tot. Sein Arbeitsvertrag galt natürlich nichtsdestoweniger. Der Grund aber, aus dem Kelling ihn allen anderen Bewerbern vorgezogen hatte, zählte für seine Nachfolger nicht, denn Herr Neurockel und seine Kollegen wussten wohl kaum von den lukrativen Nebengeschäften, die ihr seliger Abteilungsleiter mit Irene Hexter und wer weiß noch wem abgewickelt hatte. Also dürften sie auch an Harry Manns leicht korrumpierbarer Arbeitskraft nur wenig Interesse zeigen. Schließlich war er, unter üblichen Gesichtspunkten, viel zu unerfahren und als Anfänger auch viel zu alt. Sicher war da eine Abfindung herauszuschlagen, von der es sich halbwegs anständig leben ließ, bis die Polizei ihre Ermittlungen einstellte und er sich, ohne aufzufallen, eine neue Existenz aufbauen konnte, irgendwo im Süden. Mit Gals Geld. Und hoffentlich auch mit ihr.