3.2

Er trank einen weiteren Schluck. Viertens. Er dachte nach. Es gab kein viertens. Außer vielleicht der glücklichen Fügung, dass er von nun an wieder nur noch zu seinem Vergnügen an dem Computer sitzen würde. Mit einem großen Schluck leerte er das Glas. Jetzt spürte er Hunger.

Als er den Tisch gedeckt hatte, war es kurz vor neunzehn Uhr. Er schaltete den Fernseher ein und wartete auf die Abendnachrichten. Sie begannen mit der unvermeidlichen Parteien-Arie.

Harry Mann floh in die Küche, um den Brotkorb und den Teller mit Lachs zu holen.

Als er zurückkam, lief ein Interview mit irgendeinem Bonzen, der vor irgendeinem Untersuchungsausschuss aufgetreten war. Es war ein hünenhafter Mann mit einem ungeheuren Bierbauch, bestimmt an die zwei Meter groß und bestimmt über zwei Zentner schwer. Der Reporter, der ihn interviewte, hatte Mühe, das Mikrophon in Mundhöhe seines Gesprächspartners zu halten. Die ganze Szene sah ziemlich albern aus.

Außerdem beherrschte der Bonze die hohe Kunst des Ausweichens nur leidlich. Er redete viel und sagte wenig, aber es gelang ihm nicht ganz, diesen Umstand zu vertuschen. Mann meinte, in der Stimme ein leichtes Berlinern zu entdecken. Eine Einblendung erschien, die verriet, dass es sich bei dem Interviewten um Professor von Brauchangen handelte, Vorsitzender des „Europäischen Vereins zur Förderung grenzüberschreitenden Denkens e.V.“.

Mann fand das einen ziemlich absurden Namen für einen Verein. Bekannt kam er ihm allerdings vor. Dann fiel es ihm ein. Von diesem obskuren Haufen war in den Radionachrichten die Rede gewesen, als er am Sonnabend Morgen neben Gal aufgewacht war. In einem anderen Leben.

Harry Mann dachte an ihren weißen Körper. Es hatte keinen Sinn, sich etwas vorzumachen. Er vermisste ihn. Er vermisste sogar sie. Aber es machte keinen Sinn, daran zu denken. Sie durften sich nicht sehen.