3.3

Zwölf Stunden später frühstückte er, wie immer zwischen Bett und Küche pendelnd. Er hatte tief und doch unruhig geschlafen, war mehrmals aufgeschreckt und fühlte sich nun zerschlagener als am Abend zuvor.

Nach dem ersten Kaffee hüllte er sich in seinen Bademantel, schnappte sich das Fernglas und trat auf den Balkon. Die letzten Spuren des Sommers hatte der Regen fortgespült, aber es war alles andere als ein reinigender Regen gewesen. Die Luft stank erbärmlich nach Schwefel, wie an all diesen kalten grauen Berliner Vormittagen, an denen die realsozialistische Infiltration des Westens sich auf die Weigerung beschränkte, in die zahllosen Kraftwerke Ostberlins ein paar Filter einzubauen.

Trotzdem stand Mann gerne auf dem Balkon, denn von ihm aus hatte man einen guten Ausblick auf das, was er für Alltag hielt.

Vor dem Krieg grenzten die beiden Seitenflügel des Altbaus, in dessen oberstem Stockwerk seine Wohnung lag, an die Hinterhöfe der nächsten Parallelstraße. Damals hatte man von diesem Balkon aus auf nicht mehr als zwei enge dunkle Schluchten gestarrt. Die Häuser gegenüber, wussten die älteren Mieter zu erzählen, waren während der letzten Bombenangriffe in Flammen aufgegangen; einfach so, schicksalshaft, oder, wie die unheimlich dicke Frau Britz, die seit einem halben Leben ihre Parterrewohnung nicht mehr verlassen hatte, halb böse, halb bewundernd sagte: „Der Amerikaner, naja …“