3.3

„Vielleicht hören sie dein Telefon ab?“

„Ich bin nicht zu Hause.“

„Sondern?“

„Bei einer Freundin.“ Ihre Antwort kam schnell und abweisend. Gal hatte die aus seiner Stimme hervorbrechende Eifersucht nicht überhört.

„Du weißt“, sagte er, verärgert über sich selbst, „ich will morgen nach Hamburg. Ich kann nicht schon wieder absagen.“

„Umso besser. Fahr rüber und komm am Freitag einfach nur für den Abend hergeflogen, ohne jemandem was davon zu sagen.“

„Hergeflogen! Du bist gut. Ich bin blank.“

„Dann leih dir.“

„Ich wüsste keinen, bei dem ich noch Kredit hätte.“

„Lass dir was einfallen. Ich muss Schluss machen. Freitag gegen neun im Tiergarten gegenüber der Philharmonie, auf dem Abenteuerspielplatz. Ich bringe auch Geld. Und den Schlüssel!“

Er schwieg.

„Und“, sagte sie versöhnlich, „ich liebe dich.“

„Ich dich auch“, sagte er.

Es klang hilflos; sogar in seinen eigenen Ohren.

Sie hing zuerst ein.

Harry Mann zögerte einen Augenblick, bis er den Hörer zurück auf die Gabel legte. Immer noch im Bademantel ging er dann hinüber in sein Arbeitszimmer und schaltete den Computer ein.

Seinen Arbeitstag begann er damit, den falsch programmierten Befehlsknopf namens „Existenzfrage“ anzuwählen und ihn mit einem Mausklick zu löschen. Die Frage nach seiner Zukunft hatte er mit dem Mord an Kelling ein für allemal beantwortet.

Zufrieden drehte Harry Mann den Bildschirm dunkel und verließ das Arbeitszimmer für eine kurze Morgentoilette.