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Am Donnerstag quälte sich Harry Mann, von vier Stunden Schlaf erschöpft und mit pochendem Schädel, gegen zehn Uhr aus dem Bett. Während er im Tran Unterwäsche, Toilettenbeutel und eine zweite Jeans in eine Sporttasche stopfte, versuchte er zu vergessen, dass der kleine graue Kasten ihn einmal mehr hatte versagen lassen.

Kurz nach elf traf er mit dem 19er Bus bei Peter ein, um das Cabrio abzuholen und sich ein paar Hunderter mehr zu leihen. Am Grenzübergang Heerstraße wartete dann der unvermeidliche Stau von Transitreisenden auf ihn. Die Abfertigung durch die Vopos hätte nur Schnecken den Atem geraubt.

Wie jedes Mal wusste er nicht, ob er lachen oder weinen sollte angesichts der preußisch ernsten Wärter, die martialisch bewachten, was Harry Mann für das größte europäische Kuriositätenkabinett hielt. Dreihundert Kilometer und vier langweilige Stunden später, die er damit zugebracht hatte, bis zur Erblindung auf den Tacho zu starren, um nicht den allgegenwärtigen, devisengeilen Ost-Blitzern in die Falle zu rasen, saß er Wolf in dessen kahlem und sehr schickem Wohnzimmer gegenüber.

Sein Freund war fast fünf Jahre jünger als Harry Mann, von gedrungener Statur und schon sehr grauhaarig. Er hatte einen ungewöhnlich dunklen Teint, und seine Gesichtszüge verrieten einen fremdländischen Einschlag, von dem Wolf, zu dessen Vorfahren ein Haufen hoher Nazis zählte, absurder weise behauptete, dass er jüdisch sei.