3.4

Zur Feier von Manns Besuch war er früher aus der Redaktion nach Hause gekommen und trug noch seine dienstliche Verkleidung, einen dunkelgrauen Flanellanzug, dessen Jackett er auch in der eigenen Wohnung nicht abgelegt hatte, dazu schwarze englische Schuhe und eine schmale anthrazitfarbene Krawatte mit einem Schwarm von winzigen weißen Punkten.

Von Kopf bis Fuß sah Wolf einfach so aus, wie jedermann sich einen hoch bezahlten und erfolgreichen Journalisten vorstellte. Und das war er auch: Sein eilig hingehauenes Buch über die Flick-Affaire hatte ihm vor drei Jahren eine Serie von Talk-Show-Auftritten sowie ein kleines Vermögen eingebracht. Danach allerdings war es still geworden um den Superreporter.

„Erzähl von dir!“ sagte Wolf. „Was hast du die letzten Jahre getrieben?“ Aber er wartete die Antwort nicht ab, sondern erledigte schnell noch einen wichtigen Telefonanruf mit dem New Yorker Büro, für den sich, wegen der sechsstündigen Zeitverschiebung, gerade jetzt die beste Gelegenheit bot.

„Was gibt’s Neues in Berlin?“ fragte Wolf dann. „Immer noch die Hauptstadt der Billig-Szene?“ Und begann im selben Atemzug, einen wunderbaren neuen italienischen Delikatessenladen zu preisen, der um die Ecke aufgemacht hatte. Von dort stammte die etikettlose Flasche knochentrockenen Weißweins, die vor ihnen auf dem Tisch stand und um deren Leerung sie sich beide eifrig bemühten.

Nach drei, vier ähnlich halbherzigen Anläufen, Einzelheiten aus dem bescheidenen Leben seines Gastes zu erfahren, gab Wolf es auf, höfliche Neugier vorzuschützen, und redete wie ein Wasserfall auf Harry Mann ein; vor allem von den „Scoops“, die ihm gelungen waren, und von denen, die er dringend brauchte, um sich sein „standing“ und sein Gehalt zu erhalten.