3.4

Letzteres zumindest gelang den meisten männlichen Beteiligten hervorragend, während die anwesenden Damen in ihren schlichten Designer-Klamotten fast durchweg mit jeder Minute, die sie in den winzigen Portionen herumstocherten, dem Hungertod näher zu kommen schienen.

Die Karte des Etablissements war in schönstem Französisch kalligraphisiert, der Kellner parlierte, obwohl er einem britischen Butler nacheiferte, gleichfalls nur französisch, und so bestellte Wolf für seinen Gast mit. Sie speisten ein Menu, das Harry Mann als Krebsauflauf mit Sahne und Gemüse, Nudeln mit Pilzsoße, Lammfleisch mit eingewickelten grünen Bohnen und Schokoladenpudding wahrnahm. Was, wie er selbst wusste, ziemlicher Unsinn war, denn die Nudeln hatten nichts mit Birkel und die Pilzsoße nichts mit Champignons aus der Dose zu tun, und der Pudding schmeckte wirklich nicht nach Doktor Oetkers Betonmix.

Aber genaugenommen merkte er gar nicht, was er aß. Er hörte auch nicht viel von dem, was Wolf mit gesenkter Stimme erzählte. Stattdessen betrachtete er die ungewohnte Szenerie mit einer Begeisterung, die ihn selbst befremdete. Lange schon hatte er sich nicht mehr so wohl gefühlt, so cool und relaxt, so gedankenlos und entspannt, so gleichgültig und geistesabwesend wie in dieser selbstzufriedenen Aufsteiger-Gesellschaft.

Wenn das alles sein sollte, was aus den Besten seiner Generation geworden war, dann brauchte er sich der eigenen Hinterhof-Existenz nicht zu schämen! Um zu glänzen wie Wolf Reym und seinesgleichen, fehlte ihm nur Geld. Viel Geld. „Serious Cash“, wie die Amis vom AFN im Radio immer sagten. Und was das betraf, war er seit letztem Samstag auf dem richtigen Weg.