3.4

Die guten reichen Menschen hier waren ihm nur ein Stück weit vorausgeeilt, sie hatten es halt schon geschafft und sich von ihren Vorgängern, der dumpfen, beschädigten und im Grunde harmlosen Hitlerjungen- und Aufbaugeneration, geschickt und rücksichtslos erobert, was sie angeblich nie gewollt hatten: Kapital und Macht.

Darin lag keine außerordentliche Leistung, das war ganz einfach der vorgezeichnete Weg. Eine Generation bekämpfte die andere, stellte sie kalt, beseitigte sie, trat an ihre Stelle. Und nichts anderes hatte auch Harry Mann getan, indem er Kelling aus dem Weg räumte. Nicht mehr und nicht weniger, nur etwas später und etwas plumper als die höhensonnengebräunten Bürohelden hier um ihn herum.

„Schön, mal wieder richtig mit dir geredet zu haben“, sagte Wolf voll betrunkener Gefühle, als sie beide gegen ein Uhr zurück in seine Wohnung kamen. „Erinnert einen an die alten Zeiten.“

Harry Mann ersparte es sich, ihn darauf hinzuweisen, dass bei diesem viel zu teuren Abendessen einzig und allein von Wolf und seinem Job die Rede gewesen war; von diversen Haupt- und Staatsaffären, von aktiver und passiver Bestechung, vorbestraften Ministern und zweierlei Gerechtigkeit, von Steuerhinterziehung und illegalen Waffenexporten, von unzulässigen Parteispenden und verbotenen Aktivitäten des Verfassungsschutzes, von Korruption, Vetternwirtschaft und einem Haufen anderem, ungemein wichtigen und ungemein langweiligen Bonner Zeugs, das Wolf wie wild und Mann nicht die Bohne interessierte. Weil es öde, provinziell, ohne Witz und Unterhaltungswert war und nichts, aber auch gar nichts mit dem zu tun hatte, was Harry Mann vom Leben wollte.

All das aber sagte er seinem Freund nicht, und so tranken sie gutgelaunt noch einen Gute-Nacht-Schluck zusammen, und Wolf bereitete dem Gast aus der Vergangenheit eigenhändig die Schlafcouch.