3.5

Mann hatte den Eindruck, in den falschen Film geraten zu sein: ein helllichter, normaler Freitagnachmittag in Zentraleuropa und er wurde zum ersten Mal in seinem Leben mit einer Waffe bedroht. Von einem Punkie in blaugrüner Chauffeursuniform, der hinter ihm durch die trostlose Halle des Flughafens Tegel ging. Es war absurd. Ein weiterer Beweis für die Sinnlosigkeit aller Bemühungen um Recht und Ordnung.

Vor dem Ausgang beim „Pan Am“-Schalter wartete der dunkelblaue Jaguar im Parkverbot. Seine Lichter brannten, und die Scheibenwischer liefen im Intervall. Durch die Glasfront des Abfertigungsgebäudes konnte man den Regen nicht sehen. Erst als sich die elektrische Tür der Ankunftshalle öffnete und sie hinaus in den kühlen Septembernachmittag traten, spürte Harry Mann den dichten Schleier fisseliger Feuchtigkeit, halb Regen, halb heraufziehender Abendnebel.

Irene Hexter saß im Fond des Wagens. Bevor der Punkie ihm wieder befehlen konnte, öffnete Mann den Schlag und setzte sich neben sie. In dem dunkelgrünen Kostüm sah sie heute ganz manierlich aus.

„Willkommen in Berlin!“ begrüßte sie ihn mit viel falscher Freude.

„Ungern“, sagte er.

Der Punkie stieg vorne ein. Die Zentralverriegelung der Limousine versperrte knackend alle vier Türen. Sie begannen eine Spazierfahrt, im Schneckentempo die Flughafenauffahrt herunter in Richtung Stadtautobahn. An der ersten Kreuzung bog der Punkie von dem Zubringer links in den Saatwinkler Damm ab. Rechts des breiten, vierspurigen Betonbandes lag ein menschenleeres Gewerbegebiet. Nur in wenigen Hallen brannte Licht. Alles ruhte Freitagnachmittag kurz nach fünf Uhr. Zur linken Hand dümpelte nicht minder tot der Hohenzollernkanal. Der Jaguar rollte fast geräuschlos mit vierzig Stundenkilometern auf der rechten Spur. Ein paar Wagen überholten. Der Punkie schaltete den Radiorecorder an und legte eine Kassette ein. Die ersten Töne klangen nach James Last in seinen letzten Zügen.