3.5

„Sven, bitte etwas Klassisches!“ sagte Irene Hexter.

Sie sprach ungewöhnlich leise. So leise, dass Mann kaum durchzuatmen wagte, aus Angst, er könnte den entscheidenden Satz verpassen.

„It’s Sinatra“, antwortete Sven.

Die Alte nickte. Frankie-Boy war ihr offenbar klassisch genug. Sinnigerweise sang er von seiner ganz persönlichen Art, die Dinge zu drehen. Irene Hexter schien es nicht zu hören. Ihre dunklen Augen blickten gleichgültig aus dem Fenster. Der Jaguar glitt sanft dahin. In der verfrühten Dämmerung draußen regnete es.

Alles, was zu ihrem Glück noch fehlte, dachte Mann, war ein Kaminfeuer. Am besten unter Punkies Arsch.

„Wie viel wissen Sie?“ begann Irene Hexter das Gespräch, nachdem sie die Regentristesse fürs erste genügend bewundert hatte.

Sie nahm ihm damit die Frage aus dem Mund. Also grinste er stumm. Da er das schon unentwegt getan hatte, als sie sich bei Kelling getroffen hatten, musste die Alte ihn langsam für debil halten. Doch sie sah ihn nicht an. Sie schaute an ihm vorbei und zu dem anderen Fenster hinaus.

„Sie haben“, sagte sie dann mit einem bösen Ton, „meinen zweitwichtigsten Mann ermordet.“

Es war, als hätte sie ihn unter der Gürtellinie erwischt. Direkt in den Unterleib. Sie wusste es! Klauen und Zähne wühlten in seinem Magen, und sein Kopf war schlagartig leer.

Ein Loch, ein Vakuum, ein Nichts.

So war es also, wenn man am Ende war, wie in den letzten Zehntelsekunden vor dem schweren Autounfall, den er mit achtzehn hatte.

Eins, null, aus. Mord.

Wenn sie ihn entlassen würden, in fünfzehn, sechzehn Jahren vielleicht, würde er ein alter Mann sein.

Vorbei, alles.