3.5

„Nun, dergleichen spielte sicher eine gewisse Rolle, wie ich die reizende Gallathea kenne, nicht wahr?“

Harry Mann schwieg. Über Gal würde er mit der Alten nicht sprechen. Kein Wort.

Irene Hexter lehnte sich in dem weißen Lederpolster zurück und schloss die Augen. Dass er nicht antwortete, schien ihr den Spaß am moralinsauren Regen und philosophischen Zwielicht zu vergällen. Frankie-Boy weinte sein Leid-Lied. Die Lippen der Alten folgten dem Text.

Harry Mann schwieg, aber es war ein Schweigen am Rande des Schreis. Nie zuvor hatte er so deutlich gespürt, was Hass war. Da war in ihm keine Abneigung mehr, kein Widerwillen, keine Verachtung, sondern tödlicher Hass.

Er hasste Irene Hexter.

Und sie hasste ihn, dessen war er sich sicher.

Sie oder er.

Einem Prachtexemplar von widerlich war er in die Hände gefallen. Die Alte besaß so gut wie alle schlechten weiblichen Eigenschaften, all die Missgunst und Herrschsucht und all die verkniffene Bosheit, die ihn an älteren Frauen schon immer abgestoßen hatte. Allein ihre Fresse, dieses verbitterte, zerknitterte Gesicht! Wer so aussah, konnte beim besten Willen nicht zu den Vorkämpfern der sexuellen Revolution gehört haben. Ihrem Blick nach zu urteilen, allein diesem Blick nach zu urteilen, hielt sie Sex für einen engen Verwandten von Fresssucht und Geldgier. Bei Unterleib musste sie an Unmoral denken und bei Sinnenfreude an Prostitution, bei …

„Sie hassen mich!“ unterbrach Irene Hexters Stimme seine Gedankenwut. „Das ist schade …“

„Was …“, sagte Mann, der schon immer darunter gelitten hatte, dass ihm seine Gefühle allzu deutlich ins Gesicht geschrieben standen, „was zum Teufel …“, brüllte er und starrte der Alten in die Augen: „Was zum Teufel erwarten Sie eigentlich anderes?“