3.5

Der Punkie hielt an der roten Ampel vor der Siegessäule, deren frisches Blattgold in der trüben Luft stumpf vor sich hinglänzte. Auf der anderen Seite des Kreisverkehrs ging die Straße des 17. Juni ab, und an deren Ende thronte, schon im staatsbürokratischen Jenseits von Berlin, das angestrahlte Brandenburger Tor.

Punkie ließ die Limousine langsam darauf zu rollen, als nehme der Jaguar den Anlauf zum großen Sprung.

Mann wusste nicht, was er der Alten antworten sollte.

Ein paar hundert Meter vor der Entlastungsstraße wendete Punkie und fuhr den 17. Juni wieder zurück. Frankie-Boy sang, und Irene Hexter wartete.

Der Teil des Tiergartens, der an die Philharmonie grenzte, lag jetzt zur linken Hand. Mann dachte an Gal, die er dort bald treffen würde, und spürte wieder ein Ziehen im Unterleib, diesmal ein wohliges, und es zog bis in die Fußsohlen.

„Also, irgendwelche hartnäckigen Bedenken?“ fragte die Alte schließlich nach, als sie die Siegessäule zum zweiten Mal passiert hatten und zwei Ampeln vor dem Ernst-Reuter-Platz auf Grün warteten.

Mann dachte an den winzigen Revolver des Punkie vorne und schüttelte den Kopf.

Die Alte fixierte ihn wie eine Amtsärztin bei der Tripperkontrolle. „Sie erpressen mich.“

„Ich tue was?“

Irene Hexter musste seine ehrliche Verblüffung erkannt haben.

„Nun, vielleicht wissen Sie es noch nicht“, lächelte sie. „Aber die liebe Gallathea wird es Ihnen schon noch mitteilen. Sie treffen sie heute Abend, nicht wahr?“

Er nickte.

„Mit Ihrem Honorar?“

Er nickte wieder: Gal würde den Schlüssel bringen, den Schlüssel zu einem Schließfach, zu einem neuen Leben.

„Ich will Ihnen nicht die Hoffnung nehmen. Aber sie wird Ihnen keinen Pfennig geben.“