3.6

Niemand war Gal gefolgt. Sie und er, sie waren ganz allein hier in der Nacht bei der Mauer, inmitten der alten Botschaftsruinen und kahlen Museumsneubauten, allein und frei zu allem im grünen Regenreich am Rande des Berliner Westens.

Gal hatte ihn noch nicht gesehen. Langsam und vorsichtig, im aufgeweichten Boden die tiefsten Pfützen vermeidend, betrat sie den Spielplatz. In der Mitte, bei einem der Schachtische, blieb sie stehen.

Harry Mann trat aus dem Schatten des Turmes. Sie zuckte zusammen. Dann erkannte sie ihn. Nicht das geringste verräterische Zögern, dachte er, als sie auf ihn zustürzte, in seine Arme.

„Liebster!“

Es klang, Lüge, für die er es hielt, ungemein echt. Sie küssten sich. Ohne ein weiteres Wort zog sie ihn zu dem Klettergerüst im hintersten, dunkelsten Teil des Spielplatzes. Schon auf dem Weg dorthin knöpfte sie ihren Mantel auf. Er schob das trägerlose Oberteil des Abendkleides herunter und wühlte in ihren Brüsten. Nach ein paar Minuten hob sie wortlos den schwarzen Stoff und beugte sich gegen das Gerüst. Er nahm sie von hinten. Sie war ebenso gierig wie er und schien sich doch ebenso wenig konzentrieren zu können.

Als beide wieder ruhiger atmeten und Gal anfing, sich notdürftig herzurichten, fragte er sie nach dem Schlüssel.

„Lass uns irgendwo am Ku’damm essen gehen“, gab sie zur Antwort.

„Nein, jetzt. Gib ihn mir, und dann gehen wir essen.“

„Du Wichser“, brüllte sie flüsternd und kämpfte vergeblich um ein paar Tränen. Erfolglos suchte sie nach Worten, die zur Brandrede einer ausgenutzten Jungfrau passten. Was ihr einfiel, klang aus ihrem Mund lächerlich.

„Nicht die Nummer, Gal“, sagte er.

„Okay!“ Sie schwieg trotzig und fing an, ganz langsam ihren Mantel zuzuknöpfen. Er sah ihr zu.