3.6

„Nun?“ drängelte er nach einer Weile.

„Ich sag’ ja, okay!“ Ihr Blick blieb auf ihren Mantel gerichtet, als seien dessen Knopflöcher spirituelle Orte.

„Zeitgewinn ist steuerfrei“, sagte er.

Gal beachtete ihn nicht. Erst als beim besten Willen kein Knopf mehr übrig war, begann sie zu erzählen.

Die Geschichte hatte er heute schon einmal gehört.

Während Kellings trauernde Witwe sprach, starrte er auf ihren Hals. Um ihn trug sie eine meterlange Kette aus fetten perlgrauen Kullern, die sich auf ihrer nackten glatten Haut zu einem halben Dutzend Jahresringe ringelten. Er fühlte nach dem Plastikgriff des Fleischmessers in seiner Jackentasche. Verrat um Verrat.

Als sie ihm vorschlug, noch heute Abend das Geld bei Irene Hexter im Kempinski zu kassieren, griff er sie und drückte sie gegen das Gerüst, an dem sie sich geliebt hatten. Gal war zu verblüfft, um sich zu wehren, und in ihren flehenden Blick hinein setzte er ihr das Messer an die Kehle. Sie röchelte, als hätte er schon zugehackt. Eine kleine Ewigkeit sahen sie sich in die Augen.

Irgendwann nickte sie leicht, und er lockerte seinen Griff. Aber das Messer ließ er, wo es war. „Es ist schön für den Reisenden, wenn ihn jemand abholt.“

Gal sah ihn verständnislos an.

„Irene Hexter und ihr reizender Punkie haben mir heute Nachmittag eine Freifahrt in die Stadt verschafft.“

„Scheiße“, sagte Gal.

„Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?“

„Ich weiß nicht, was die Alte dir erzählt hat. Aber ich weiß, dass damit mein Plan im Eimer ist.“

„Und der war, mich von Irene Hexters Piss-Punkie umlegen zu lassen?“

„Was hätte ich davon gehabt?“

„Einen Gläubiger weniger.“

Gal sah ihn geradeheraus an. „Ich liebe dich“, sagte sie und versuchte, ihn zu küssen.