3.6

Er hielt sie mit dem Druck des Messers zurück, aber er glaubte ihr. Zumindest die Liebe glaubte er ihr.

„Und wo sind die Aktien und Wertpapiere geblieben, die ihr angeblich besessen habt?“

„Da musst du Kelling fragen. Der Kerl hat mich noch im Tod beschissen.“

Sein Messer saß an ihrer Kehle, doch er war versucht, ihr nachzugeben. Er wusste, dass sie ihn anlog. Nur wusste er nicht, wie er damit fertig werden sollte, solange sie es nicht zugab.

„Was ist in der Tüte?“

„Meine Pumps natürlich. Oder glaubst du, ich trage zum Abendkleid immer Turnschuhe?“

Ein Punkt für sie. Wenn er nicht aufpasste, würde sie gleich Oberwasser haben.

„Wahrscheinlich gab es das Geld nie“, sagte er und verstärkte den Druck der Klinge.

„Hör auf mit dem Unsinn.“ Sie röchelte wieder leicht und holte, als er ein wenig nachließ, tief Luft. „Ich habe den Schlüssel zu dem Schließfach ein gutes Dutzend mal gesehen. Und Kelling quasselte ja auch ständig von seinem Schatz. Der Altersversorgung erster Teil, nannte er ihn.“

Sie machte eine kleine dramatische Pause, die sie geschickt benutzte, um ihre Lügen in eine neue Stimmung zu kleiden.

„Aber der Schlüssel ist weg“, fuhr sie fort, mit einem Ton in der Stimme, den er für gut gespielte Verzweiflung hielt, „und ich habe keine Ahnung, bei welcher Bank Kelling das Schließfach eingerichtet hat. Es gibt keine Unterlagen. Das Zeug ist futsch. Ich bin so gut wie mittellos, pleite.“

„So gut wie?“

„Gerade mal zwanzigtausend in Bundesschatzbriefen.“

„Die bekomme ich“, sagte er.

Sie nickte. Ein wenig zu schnell. Bauernopfer.

„Sowie meinen Anteil, sobald die Lebensversicherung zahlt.“

Sie nickte wieder, diesmal schon weniger begeistert.