3.6

Eine Viertelstunde später sahen sie über den Baumwipfeln den gelb erleuchteten Turm der Kirche irgendeines jüngsten Tages in den mondlosen Himmel ragen. Damit hatten sie, immer noch Arm in Arm, die Kreuzung Klingelhöfer- und Stülerstraße erreicht. Der Rest des Weges führte durch belebte Innenstadtgebiete, in Richtung des gelben, pfeilförmigen Schildes, auf dem „Charlottenburg“ stand, und in Richtung des weißen Schildes, auf dem „Zoo“ stand.

Gal löste sich von ihm.

„Du wirst zu Fuß bestimmt zwanzig Minuten brauchen. Bis dann.“

Sie gab ihm einen tiefen Kuss und trat aus dem Dunkel der Bäume hinaus an die Straße. Selbst in Turnschuhen ging sie so verlangend, dass es Angst machte. Einen Augenblick bildete er sich ein, hören zu können, wie die Nähte des engen Abendkleides unter dem Ansturm ihres Körpers ächzten. Ein Gang, den auch der weite Trenchcoat nicht verbergen konnte. Ihr Körper war überreif, in ein paar Jahren schon würde die kräftige Schönheit in die dumpfe, plumpe Rundlichkeit des Alters versinken, allem Aerobic zum Trotz; sie war nun mal der Typ.

Er zog unwillkürlich die Schultern hoch. Was sollte dieser Gedanke? Bis dahin war noch viel Zeit, und solange diese Zeit noch nicht vergangen war, blieb sie genau sein Fall.

Er ließ Gal drei-, vierhundert Meter Vorsprung, und folgte ihr dann, am Park des Neuen See vorbei, über die Brücke, wo er, als er das Wasser roch, summte: „Es schwimmt eine Leiche im Landwehrkanal, nun raten Sie doch mal …“, und hinein in die Lichterfassaden der City, über denen der blaue Ring mit dem weißen Stern sich drehte.

Eine hässliche Stadt, eine abgrundtief hässliche Stadt!

Mann sog die Luft ein und meinte, den ersten zarten Hauch von Braunkohle zu riechen.