3.7

Als er den Umschlag entgegennahm, bewegte sich der Schalterbeamte mit unendlicher Langsamkeit. Wie unter Wasser, dachte Mann, nicht von dieser Welt; ein kriechendes Kafka-Geschöpf. Voller Unlust und ruhender Boshaftigkeit. Mann konnte ihn verstehen. Müsste er dort hocken, er verhielte sich nicht anders. Es war eine Abwehrmaßnahme, der schützende Panzer des Käfers.

Auf die genuschelte Frage des Beamten schickte er das Päckchen gegen Aufpreis als Brief. So würde es mit Sicherheit in Hamburg eintreffen, bevor er am Montag wieder zurückfuhr nach Berlin.

Harry Mann verließ den Bahnhof Zoo durch den hinteren Ausgang zur Jebenstraße. In der Schwingtür zögerte er einen Augenblick, weil er nicht wusste, wohin.

Sofort wurden ihm aus einer Gruppe von Strichern, die bei einem Baucontainer herumlungerten, Angebote zugerufen. Dass er unsicher war, was er tun sollte, hatten die Jungens sofort gemerkt.

Er drehte sich zu ihnen und blickte, im Schein der Neonleuchten, deren Milchglasabdeckungen verklebt waren von den Insekten des vergangenen Sommers, in fünf harte picklige Gesichter. Böse Kinder, von bösen Erfahrungen böse gemacht. Sie alle waren, wenn es stimmte, was Wolf und seine Kollegen zusammenschrieben, todgeweiht. Kaum einer von ihnen würde dreißig werden.

Für sie gab es kein neues Leben mehr.

Mann lächelte ihnen zu, wendete sich zur Hardenbergstraße und ging davon.

Auf seinem Weg durch die Nacht, während die Kälte immer mehr in ihm hoch kroch, fragte er sich, warum die Strichjungen so geduldig warteten; warum keiner hinging, wie er, Harry Mann, es getan hatte, und reiche Leute erschlug, ihnen in vornehmen Hotelsuiten die Kehle durchschnitt, auf ihre Körper, wenn sie am Boden lagen, einstach, bis kein Muskel sich mehr regte …