3.7

Als Harry Mann die Lobby betrat, war es Viertel vor elf. Gal, ganz in ihrem tief dekolletierten Philharmonie-Chic, wartete in einem ältlichen Polstermöbel in Sichtweite des Eingangs. Ihr Trenchcoat lag auf dem Sessel daneben, die Turnschuhe waren unterwegs in einem Mülleimer gelandet.

Der Nachtportier beäugte den Ankömmling mit müden Augen. Es war zu spät und die Halle zu leer, um zu den Fahrstühlen zu gelangen, ohne einen Schlüssel abzuholen oder sich anzumelden. Wie verabredet, sprang Gal auf und lief freudig auf ihn zu. Er eilte ihr ebenso freudestrahlend entgegen und begrüßte sie stürmisch

Engumschlungen küssten sie sich zu den Fahrstühlen durch. Knutschende Paare, verstrickt in tiefe Wiedersehensfreude, werden in keinem Hotel, das etwas auf sich hält, nach ihrer Zimmernummer gefragt.

Sie stiegen im siebten Stock aus und liefen die Treppe wieder hinunter in den fünften. Während Gal im Aufgang wartete, klopfte er an der Tür zu 511.

Sven öffnete und schaute sofort misstrauisch drein, als er Harry Mann sah. Auf Englisch radebrechte er was von Anmelden und Frechheit. Anstelle der Chauffeursuniform trug der Gelbschopf jetzt zu einigen silbernen Ketten ein rotblaues Sweat-Shirt, schwarze Jeans und schwarze Stiefel mit Absätzen und Spitzen, die ihn größer und gefährlicher aussehen ließen, als er war. Augenscheinlich plante er noch ein aufregendes Nachtleben.

Mann bezweifelte, dass daraus etwas werden würde.

„Wait!“ sagte Punkie und sperrte zu.

Nach einer kleinen Ewigkeit öffnete sich 511 wieder.

„Okay“, sagte Punkie und winkte Mann mit der Winzpistole, hereinzukommen.

Die Tür zum linken Raum der Suite stand offen. Irene Hexter kam ihrem Gast entgegen. Auch sie hatte sich umgezogen und steckte jetzt in einem stahlgrauen Schneiderkostüm, das, wie Mann fand, als Uniform der nationalen Volksarmee nur einen Tick zu elegant gewesen wäre.