3.7

Er musste noch einmal zurück in den hinteren Raum, um den wattierten Umschlag zu holen, den Irene Hexter im Sterben verloren hatte. Er verstaute ihn ebenfalls in der Plastiktüte. Dann schob er Gal, deren Mundwinkel immer noch gefährlich zuckten, zur Tür, öffnete sie einen Spalt und sah vorsichtig hinaus.

Nichts rührte sich. Zumindest in dieser Hinsicht war das Kempinski ein erstklassiges Hotel. Gäste, die nachts laut stöhnten, ließ man ungestört gewähren.

Arm in Arm traten sie beide hinaus auf den Gang. Niemand begegnete ihnen auf der Treppe hoch in den siebten Stock. Der Fahrstuhl, der sie wieder hinunter in die Lobby brachte, war leer. Gal vergrub ihr Gesicht in Manns Brust, er beugte sich zu ihr hinunter, als flüstere er Worte, die nur sie beide etwas angingen. Der Blick des Nachtportiers glitt gleichgültig über sie hinweg.

In der dunkelsten Ecke unter der Eisenbahnbrücke, die schräg gegenüber vom jüdischen Gemeindehaus die Fasanenstraße über-spannte, trennten sie sich.

Gal küßte ihn kraftlos. Sie schien mit den Nerven am Ende.

„Wenn alles nur vorbei wäre …“, sagte sie.

„Reich in einem anderen Land!“ sagte er.

„Ja!“ sagte Gal.

Doch sie sah ihn dabei traurig an. Ihre Augen, dachte er, glaubten nicht daran.

„Ich liebe dich“, sagte sie und drehte sich um.

Harry Mann blieb stehen und blickte ihr nach.

Sie war die schöne Gallathea, und was er spürte, war Liebe. Da gab es leider keinen Zweifel. Wie lange durften sie sich nicht wiedersehen! Es würde viele Monate, vielleicht länger als ein Jahr dauern, bis die Ermittlungen eingeschlafen waren, und vor allem, bis die Versicherung gezahlt hatte und der mittellosen Witwe damit jede Ausrede genommen war, ihm zu geben, was ihm versprochen war.