3.7

Erst als Gal sich Ecke Kantstraße ein Taxi heranwinkte, kam ihm der Gedanke, dass die paar Mark, die er ihr gelassen hatte, niemals bis Konradshöhe reichen würden. Zumal sie ja davon bereits die Fahrt vom Tiergarten zu dem griechischen Lokal an der Joachimsthaler bezahlt hatte. Aber im selben Moment ahnte er, dass Gal auch dafür schon längst eine Lösung wusste.

Zu gern wäre er ihr gefolgt und hätte gesehen, ob sie wirklich nach Hause fuhr.

Um nicht wieder an dem hell angestrahlten Portal des Kempinski vorbei zu müssen, wechselte er auf die andere Straßenseite. Alle Fenster in den umliegenden Häusern waren dunkel. Aber vor ihm leuchtete der Kurfürstendamm. Dort hinten waren die Straßen voller Menschen. Dort hinten musste er durch.

Jetzt, wo er allein war, brach die Erschöpfung wie eine Welle über ihn herein. Er ließ sich von ihr treiben, den langen Weg durch die Nacht.

Er hatte bereits die halbe Strecke zu seiner Wohnung zurückgelegt und war in der Nähe des Königin-Viktoria-Luise-Platzes, als sein Kopf wieder zu denken anfing. Dass in der ganzen Stadt, seiner Heimat, dem einzigen Ort, an dem er je gerne gelebt hatte, nur ein einziger Mensch von ihm wusste, war ein seltsames Gefühl. Er war allein, er konnte niemanden anrufen, er konnte in keine seiner Kneipen gehen, nicht einmal in seine Wohnung durfte er. Er sog die Regenluft tief ein. Zudem barg die Plastiktüte in seiner Hand zwei Probleme. Er kehrte um und marschierte wieder zurück in Richtung City.

An seiner Haut klebte die Feuchtigkeit, und Regentropfen liefen in seinen Bart. Kalt war ihm, kälter, als es dem kalten Herbstwetter entsprach. Ein gut Teil der Kälte kam von innen. Wahrscheinlich hatte er sich eine Grippe eingefangen heute Abend, heute Nacht. Und die Nacht war noch lange nicht vorbei. Es ging auf eins. Sechs Stunden bis zum ersten Flug nach Hamburg.