3 Cash & Kill

„Komm ins ,Vaterland‘. Ich lass dir‘n Frühstück machen und dann ziehen wir los.“

„Dein Wille geschehe.“ Mann legte auf.

Peters Einladung zu so später Stunde war ungewöhnlich. Augenscheinlich fühlte er sich über die Maßen einsam. Das Elend der reichen Leute; das „Ich-bin-auch-ein-Mensch“-Syndrom. Was tun, wenn keine Geschäfte zu machen sind? Der Wunsch, einmal etwas ohne Geld zu bekommen; und sei es nur, umsonst bumsen zu können.

Peters „Vaterland“, eine stets halbdunkle Mischung aus Café und Kneipe, lag am Olivaer Platz in lukrativer Kudamm-Nähe. Als Harry Mann eine Dreiviertelstunde später dort eintraf, war der postpatriotische Schuppen proppenvoll. Die Kundschaft bestand aus finanziell gehobenem Achtundsechziger-Bürgertum, Erfolgsmenschen in Designer-Jeans und Lacoste-Hemden.

Peter hatte sich, die Hände in den Taschen, vor der Theke aufgebaut und meckerte mit dem verhuschten Jüngling herum, der dahinter stand.

„Hi!“ begrüßte er Mann, ein Spleen, den sein Freund sich vor ein paar Jahren in Kalifornien eingefangen hatte.

Wie immer war Peter szeneschniek gekleidet. Unter seiner Halbglatze trug er einen schwarzen Kaschmirpullover mit V-Ausschnitt, der den Blick auf ein Goldkettchen mit Namenszug sowie eine leidlich behaarte Brust freigab, dazu eine schwarze Lederhose und schwarze Cowboystiefel mit Goldnieten. Er war schon sichtlich angetrunken und seine Laune auf einem Tiefpunkt.

Mann setzte sich auf den freien Barhocker am Ende der Theke. „Was ’n los?“

„Der Affe!“ Peter zeigte auf den nickelbebrillten Jüngling, der sichtlich nervös am Zapfhahn herumfummelte.

„Was hatter verbrochen?“

„Gepennt, wie immer. Die beschissenen Croissants sind aus.“ Peter warf dem Jüngling einen wütenden Blick zu.

„Es ist halb elf nachts“, sagte Mann beschwichtigend.