3 Cash & Kill

Gegen elf hatten sie die Flasche Veuve geleert und zogen los, in einen der neuen Neonschuppen am oberen Ende des Ku’damms. Dort dröhnte die Musik nicht so laut, wie sie es in so einem Laden vor einem Jahrzehnt noch getan hätte, dafür leuchteten die Lampen viel heller und die Leute strahlten viel glatter.

Mann fühlte sich fehl am Platze, und auch Peter schien nicht gerade der Herr dieses Dschungels. Von dem Rausschmeißer am Eingang mal abgesehen, waren sie eindeutig Spitzenreiter in der Alters-Hitparade und mussten schnell feststellen, dass die Liebe der jungen Mädchen zu Vaterfiguren dramatisch nachgelassen hatte. Überhaupt hing die Szene, wie Mann fand, ziemlich trostlos in den Seilen. Ein Haufen braver Kids hockte einfach da und lauschte den Versprechungen von Leiden und Fühlen, die die Bässe der Lautsprecher in ihre Mägen hämmerten: „I love the night, I love the animal of danger and the ecstasy of life …“

„Pustekuchen“, ärgerte sich Peter, als von seinen Ekstasen keine etwas wissen wollte, und begann sein physisches Elend ideologisch zu kompensieren. Die neuesten Nachrichten aus der Hauptstadt kamen ihm da gerade recht.

„Irgendwer muss die Knete für die Jungs vonner Politik ja abdrücken, wa?“ sagte er mit der zynischen Freude des reichen Kapitalismuskritikers.

„Vielleicht nicht grad’ auf die krumme Tour …“, gab Mann zu bedenken.

„Ach, alles halb so schlimm!“ Peter machte eine wegwerfende Handbewegung. „Die Presselümmel stell’n sich mit ihr’n Enthüllungen an wie wir damals, als wir’n Charlie Marx entdeckten. Das Zeugs war hundert Jahre alt und furztrocken und steinhart, aber wir sind überall rumgerannt und haben’s als’s Frischeste vom Frischen verkündet, als wär’s uns grade gesteckt worden, von Erz-Engels persönlich.“

Er kippte seine rote Brühe und brüllte „Noch so’n Kirschsaft, Mutter“ in Richtung der schmächtigen Erstsemesterin, die in dem Laden bediente.