3 Cash & Kill

„Zurück zum Thema“, sagte er dann mit der Genauigkeit des Säufers, der sich vom Alkohol nicht für dumm verkaufen läßt: „Bald war’n wa selbst nicht mehr ganz frisch. Wie die Presselümmel heute mit ihr’m Flickflack und Bubabarschel und ihr’m spaltbaren Käselirium.“

„Die Frage ist doch“, hielt Mann ihm mit den Resten seines Verstands entgegen, „warum diese Partei-Mafioso sich …“

„Iiih“, schrie Peter dazwischen. „Iiih“, als hätte er eine Fliege im Cocktail.

Mann sah ihn böse an. Er hasste es, wenn man ihn unterbrach. Sein ältester Freund starrte stier zurück.

Mann hatte ihn, am bitteren Ende der sechziger Jahre und in den ersten Tagen seines Studiums, als manischen Marx-Experten kennengelernt. Peter war damals ein langhaariger entflohener Hinterbayer, der zwanghaft perfektes Hochdeutsch sprach und die blauen Bände verschlang wie andere Leute Spaghetti. Sie hatten sich auf Anhieb gut verstanden, und nach ein paar Monaten waren sie zusammen in eine Wohngemeinschaft gezogen, zu Anne, Lisa und Wolf.

Anne wurde bald Harry Manns Anne, und Peter wanderte nach einem heftigen Intermezzo als hemmungsloser Nietzsche-Fan, von der Weltrevolution und der abendländischen Philosophie gleichermaßen enttäuscht, mit Lisa nach Formentera aus. Zwei Jahre später kehrte er gelangweilt und allein in die Reste der Wohngemeinschaft zurück und mauserte sich zum endgültigen Beute-Berliner und Eigner eines kleinen Lädchens für Modeschmuck und Second-Hand-Klamotten.

Aufgelöst hatte sich die Wohngemeinschaft erst Anfang der achtziger Jahre, nach Peters Streit mit Anne, Manns Streit mit Peter, Wolfs steiler Karriere und Annes universitärer Verbeamtung, der unmittelbar ihr Bruch mit Harry Mann folgte.

Danach verloren sie alle für eine Weile den Kontakt.