4 Die Stimme eines Herrn

4.1

Zwei Tage später, am frühen Montagabend, wurde es dunkel, kurz nachdem das weiße Golf Cabrio die Elbe überquert hatte. Harry Mann war glücklich und zufrieden. Als er bei Nauen dann die Autobahn verlassen musste und über die Landstraße durch die russische Garnison fuhr, die vor Ostberlin lag und die Hauptstadt bewachte, hörte sogar der Regen auf.

Mann nahm es als gutes Zeichen. Seit Freitagabend klappte alles hervorragend.

„Vom alternativen Penner zum Dressman, eine bundesdeutsche Karriere!“ hatte ihn Wolf am Samstagmorgen begrüßt, als er, frisch vom Friseur kommend, ihn gegen elf mit einer Tüte voller Schrippen weckte. „Wärste ein bisschen bekannter, nur so’n kleines bisschen, würd’ ich was drüber schreiben, ‘nen Trendbericht, radikale Life-Style-Revolution: Der neue Mann.“

„Schon viel besser als früher“, sagte Mann, während er Kaffee in die Espressomaschine füllte, „wo du morgens vor’m ersten Frühstück immer diese entsetzlichen Reime gemacht hast.“

„Kommt der Mann zur Tür herein, gestern noch mit Bärtilein, heute sind die Haare klein …“

„… morgen ist er nackt, das Schwein … Saublöd wie eh und je, mein Lieber.“

„Nee, aber ehrlich: Sieht proper aus, dein nacktes Gesicht, und dazu diese Föhnwellen. Richtig edel.“