4 Die Stimme eines Herrn

Mini-Wolf mit seinem Miami-Vice-Soft-Look sollte nur ruhig sein.

Aber es war ein gelungenes Wochenende geblieben. Und auch der Montag konnte sich bisher sehen lassen.

Wolf war kurz vor zehn, nach einem hastigen Frühstück, zu seiner tristen Arbeitsstätte abgerauscht, der Postbote mit dem Päckchen hatte gegen zwölf geklingelt. Eine halbe Stunde später schon deponierte Harry Mann das schmale Bündel Geldscheine in einem Schließfach der Deutschen Bank an der Grindelallee. Fünfzig lausige Mark kostete das kleine Sicherheits-Paradies pro Jahr.

Gegen vier Uhr fuhr er vom Horner Kreisel auf die Autobahn. Jetzt war es kurz vor sieben und stockfinster, und er war nur noch wenige Kilometer von der Kontrollstelle Staaken entfernt.

Zeit eigentlich für ein paar antiautoritäre Flüche, wie er sie stets in Erwartung der routinierten Grenzdrangsaliererei ausstieß. Besser jetzt als in Hörweite der real existierenden Vopo-Pisser.

„Die Geschichte möge geben“, bequasselte Harry Mann sich also selbst und war mit Freuden Pharisäer, „dass wir nie wiedervereinigt werden mit jenen dort.“

Ihm graute davor, jedes Mal, wenn er dieser Spießer-Visagen ansichtig wurde. Sie machten es ihm leicht, sich vorzustellen, wie die siebzehnmillionenfache Kombination von Rückständigkeit mit Preußentum das inzwischen halbwegs weltläufige Wessieland zurückwerfen würde in die steinharte Zeit der fünfziger Jahre; wenn nicht noch tiefer in finstere deutsche Vorzeit.

Vielleicht müsste auch er dann eine dieser rollenden Brottrommeln fahren, mit denen man sich im Osten direkt aus der Küche auf die Autobahn traute!

Es war ein Gedanke, der ihm die mondlose Dunkelheit noch dunkler werden ließ.