4 Die Stimme eines Herrn

Unvermittelt brach vor ihm ein Trupp Russen in Tarnkleidung, bewaffnet mit einem Haufen Spaten, aus dem Unterholz. Eine rote Kelle mit einer Art Taschenlampenbirne in der Mitte ging hoch. Viel Rot war nicht mehr an der Kelle. Mann musste scharf bremsen.

Zwei Panzer fuhren aus dem Wald auf die Straße und in Gegenrichtung davon. Ab in die Kaserne, zum Wodka und zur frauenlosen Langeweile.

Mann spürte, wie trotz seines kollektiven Mitleids für die halbwüchsigen Zwangsrekrutierten aller Länder Unwillen in ihm hochstieg. Er konnte die Russen ebenso wenig leiden, wie er die Amerikaner bewunderte. Selbst während seiner linkesten Tage war es ihm so gegangen, als er gegen den Vietnamkrieg demonstriert und „Amis raus“ gerufen und gewunden die Vorzüge der Diktatur des Proletariats erörtert hatte. Die Abneigung gegen den Osten saß tief, tiefer, als sein Bewusstsein davon reichte. Eine regelrechte Russenphobie war bei ihm aus seiner Kindheit im kalten Krieg zurückgeblieben.

Aber Teufel noch mal, warum sollte er diese hintereuropäischen Asiaten auch mögen, die Enge ihrer Lebensweise, die Dumpfheit, die Selbstverständlichkeit allgegenwärtiger Kontrolle, den Kult der Arbeit, die Herrschaft der alten Männer, die Militarisierung, den Fraß …

So plötzlich, wie er gekommen war, verschwand der Militärpolizist mit seiner Kelle wieder im Unterholz. Mann gab langsam Gas, hinter ihm vier, fünf West-Laster, deren vorderster so dicht aufschloss, dass er fast an die Rücksitzbank stieß.

In der Hinsicht blieb Mann stur: Er fuhr nicht mehr als die achtzig Stundenkilometer, die auf den volkseigenen Landstraßen erlaubt waren. Wenn er die saftigen Strafen dieser Devisenjäger zahlen wollte, kam es billiger, er nahm gleich das Flugzeug.