4.2

Kati wohnte um die Ecke in einer Maisonette-Altbauwohnung, dem vierten Stock mit ausgebautem Dachgeschoß. Das Haus hatte keinen Fahrstuhl. Endlich oben angekommen, war Harry Mann mit seinen Kräften ziemlich am Ende.

Die Frau an seiner Seite hingegen lief zu einer Form auf, die er bei ihr nie vermutet hätte. Entschlossen schleifte sie ihn über die Schwelle, als wäre sie King Kong und er die übergewichtige Braut. Dann ging sie voller Elan voraus und schaltete jedes Licht ein, das sie entdecken konnte.

Mann stand ziemlich starr in der Mitte der neuen Helligkeit herum und glotzte bewundernd. Betrunken und müde, wie er war, raubte ihm die Einrichtung doch den Atem: Das war mal genauso, wie er schon immer wohnen wollte. Riesige, über vier Meter hohe Räume mit Stuck und Parkett, und so gut wie nichts an Möbeln. Das wenige aber vom Allerfeinsten. Jedenfalls, soweit er das beurteilen konnte; denn nicht nur, dass er selbst solche Möbel nicht besaß, für die meisten fehlten ihm die richtigen Worte. Memphis, Italia? Bauhaus, USA? SoHo-Design? Der Teufel wusste das, vielleicht auch Peter. Buntgewürfelte Moderne jedenfalls. Egal, aus welchem Jahrzehnt die einzelnen Stücke stammen mochten, ihre Kombination war strikte achtziger Jahre.

„Da ist das Bad“, sagte Kati.

Er nickte.

„Wie wär’s, wenn du duschen würdest?“ fragte sie, als er sich nicht rührte.

„Spinnste?“ Um sich anmachen zu lassen, war er noch nicht müde genug.

„Ich meine nur, damit du etwas wacher wirst!“

Sie lächelte lieb. Daran ließ sich nicht deuteln. Also war auch er lieb und tat ihr den Gefallen.